|  
Nachrichten

Aussetzung der Insolvenzantragspflicht beendet

VID: Entwicklung der Unternehmensinsolvenzzahlen in der Coronakrise
VID: Entwicklung der Unternehmensinsolvenzzahlen in der Coronakrise
17.05.2021 − 

Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht ist mit dem Monat April 2021 ausgelaufen. Bereits im Vorfeld und in den vergangenen Wochen gab es eine öffentlich geführte Debatte über eine nochmalige Verlängerung. Diese ist laut von EUWID befragten Experten allerdings nicht zu erwarten.

So erklärt ein Sprecher des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) auf EUWID-Anfrage: „Es ist richtig, dass die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zum 1. Mai 2021 ausgelaufen ist. Letzte Gespräche der Koalitionsfraktionen über eine mögliche Verlängerung sind nach Kenntnis des BMJV ohne Einigung geblieben.“ Diese Auffassung teilt auch der Berufsverband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID). Gegenüber EUWID äußert Dr. Christoph Niering, Insolvenzverwalter und Vorsitzender des VID, eine neuerliche Aussetzung, die eine gesetzliche Änderung erfordert, ist nicht zuletzt aufgrund des zeitlichen Ablaufs nun nicht mehr zu erwarten.

Unterdessen befürchten Experten eine Insolvenzwelle. Sie schränken gleichzeitig ein, dass diesbezüglich schwerlich belastbare Prognosen möglich sind.

Der VID erläutert, bislang konnten die Auswirkungen der Corona-Krise über staatliche Hilfen abgefedert werden. Das sinnvolle Instrument der Kurzarbeit reiche allerdings voraussichtlich nicht aus, um eine finanzielle Schieflage mancher Unternehmen zu vermeiden. Immerhin, so der VID weiter, erfordere das unternehmerische Wirtschaften zur Beendigung des Lockdowns auch Investitionen. „Der Neuanfang ist liquiditätsintensiv“, unterstreicht Niering.

Der VID relativiert außerdem den von vielen Experten prognostizierten starken Anstieg der Insolvenzfälle in Deutschland. Dieser würde einen Nachholeffekt beinhalten. Immerhin basiert der statistische Vergleich auf einem wirtschaftlich starken Jahr 2019, für das niedrige Insolvenzzahlen ausgewiesen wurden. Diese Zahlen wurden im Folgejahr unterboten, da die Insolvenzen mittels staatlicher Regelungen eingefroren wurden. Mit dem aktuellen Jahr 2021 könnte nun quasi ein Normalniveau erreicht werden, in dem sich die übliche Marktbereinigung wieder fortsetzt.

Vor diesem Hintergrund sei trotz positiver Öffnungsperspektiven für viele Produzenten und Dienstleister ein deutlicher Anstieg von Insolvenzen in Deutschland in den kommenden Monaten zu erwarten, sind sich Experten einig. Vor allem Unternehmen mit begrenzten Bargeldreserven und geringen Sicherheiten für die Inanspruchnahme neuer Kreditlinien sind einem hohen Insolvenzrisiko ausgesetzt.

Diesem Artikel zugeordnete Schlagworte:

zurück − Marktbericht Altpapier Deutschland: Preise erreichen im April Höchststand, Trendwende im Mai

AR Packaging wird Teil von Graphic Packaging  − vor