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Silphie Paper und OutNature: Gemeinsames Leuchtturmprojekt zu alternativen Rohstoffen

Verpackungspreis für OutNature, Copyright: OutNature
Verpackungspreis für OutNature, Copyright: OutNature
30.10.2020 − 

Silphie Paper hat auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik Scheufelen die Papiermaschine PM 2 gestartet. Die Produktion auf der Basis der Pflanze „Durchwachsenen Silphie“ soll weiter Fahrt aufnehmen. Das Unternehmen will im Drei-Schicht-Betrieb Papier und Karton für verschiedene Verpackungszwecke ‑ auch für Lebensmittel ‑ herstellen. Die Vermarktung der Silphie-Produkte übernimmt die Tochtergesellschaft von PreZero OutNature, die deren Einsatz deutlich ausweiten will. EUWID sprach mit den Akteuren über den Status quo des Verbundvorhabens und die weiteren Ziele.

In diesem Pilotmodell für alternative Rohstoffe ist es Silphie Paper gelungen, ein stabiles Verfahren zur Herstellung von marktfähigen Verpackungsmaterialien zu entwickeln, in dem 50 % des herkömmlichen Kurz- und Langfaserzellstoffs durch Silphie-Fasern ersetzt wird. Das erklärt der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens Stefan Radlmayr im Gespräch mit EUWID. Als Ergebnis bietet Silphie Paper niedriggewichtige Spezialpapiere, Wellpappenrohpapiere und Faltschachtelkarton in verschiedenen Grammaturen von 85-250 g/qm an. Diese hochvolumigen Qualitäten erlauben es laut Unternehmensangaben den Kunden, im Vergleich niedrigere Flächengewichte bei gleicher Funktion einzusetzen und so ressourcenschonend zu handeln. Die Silphie-Produkte finden bereits in der Testphase verschiedene Einsatzmöglichkeiten etwa als Wellpappeverpackungen und Faltschachteln auch im Lebensmitteldirektkontakt. Für ihre Anwendung erhielt OutNature jüngst den Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie Neues Material.

Die PM 2 in Lenningen ist die älteste der ursprünglich drei Papiermaschinen der Papierfabrik Scheufelen. Silphie Paper beschäftigt derzeit etwa 30 Mitarbeiter; fast alle stammen aus der Kernmannschaft der ehemaligen Papierfabrik Scheufelen.

„Wir werden den Betrieb nach dieser erfolgreichen Testphase ausweiten“, unterstreicht Radlmayr im Gespräch mit EUWID. Mit steigender Auslastung der Papiermaschine werde die Herstellung des aktuellen Produktportfolios zunehmend wirtschaftlicher. Damit sei Papier mit Silphie-Anteil mit den am Markt üblichen Standardprodukten wettbewerbsfähig und gleichzeitig nachhaltig, erklärt Radlmayr weiter. Immerhin werden die Teile der Silphie-Pflanze, die nicht in der Papierproduktion zum Einsatz kommen, in einer Biogasanlage in Energie umgewandelt. Zur Nachhaltigkeit der Papiere trage also nicht zuletzt das Potenzial hinsichtlich der Kreislaufwirtschaft sowie der Reduktion der CO2-Emissionen im Produktionsprozess bei. Um auch gegenüber den potenziellen Endanwendern Sicherheit bezüglich Qualität und Funktion des Produkts zu gewährleisten, hat OutNature Untersuchungen gestartet, die die Unbedenklichkeit der Wellpappeverpackungen und Faltschachteln auf Silphie-Basis im Kontakt mit Lebensmitteln sowie die Recyclingfähigkeit des Produkts bestätigen. Diese positiven Eigenschaften will das Unternehmen in Kürze mit Studien belegen.

OutNature als strategischer Partner

OutNature unterstützt die Lenninger Silphie Paper im Rahmen der Plastikstrategie REset Plastic bei der Realisierung des „Modellprojekts Durchwachsene Silphie“. Mit dem Ziel, Kunststoffanwendungen durch ökologisch nachhaltige Produkte zu ersetzen, soll die Entwicklung alternativer Faserstoffe forciert werden. Vor diesem Hintergrund wirkt die OutNature GmbH, Neckarsulm, eine Tochtergesellschaft der PreZero Stiftung, als strategischer Partner der Silphie Paper. Dies erklärt Michail Ginsburg, Prokurist bei OutNature, im Gespräch mit EUWID.

OutNature entwickelt und vertreibt innovative und nachhaltige Faser- und Papierprodukte für Verpackungslösungen in Handel und Industrie. Außerdem hat das Unternehmen das Silphie-Projekt mit einer finanziellen Investition in die Rohstoffverarbeitung unterstützt. In einem ersten Schritt wurde der gemeinsame Betrieb einer Anlage zur Faserproduktion mittels Steam-Explosion-Verfahren auf dem Gelände des Energieparks Hahnennest, Ostrach bei Sigmaringen, auf die Beine gestellt. Der Energiepark betreibt eine Biogasanlage auf Basis nachwachsender Rohstoffe u.a. der Durchwachsenen Silphie.

Ausweitung auf mehrere Papierfabriken

Wie Ginsburg im EUWID-Gespräch ausführt, plant OutNature, die Kapazität der Faserproduktion zu erweitern. Damit übernimmt das Unternehmen gleichzeitig die Rolle des Rohstofflieferanten für Papierfabriken wie Silphie Paper. Die Ausweitung der Faserproduktion ist in verschiedenen Konstellationen denkbar, erklärt Ginsburg. Es gebe eine Reihe von Biogasanlagen, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind. Des Weiteren finden erste Gespräche auch mit Papierherstellern statt, die Interesse an der Produktion auf der Basis alternative Rohstoffe haben, bestätigt OutNature gegenüber EUWID. Mittelfristig sei die Suche nach Kooperationspartnern in den Bereichen Biogas und Papierproduktion nicht auf Deutschland begrenzt.

In den Gesprächen mit Endanwendern stehen Funktionen im Verpackungsbereich im Vordergrund, heißt es weiter. Dazu gehören OutNature zufolge Wellpappeverpackungen und Faltschachteln, aber auch Etiketten, Banderolen oder Tüten.

Silphie als nachhaltige Lösung

Gegenüber herkömmlichem Holzstoff sieht Radlmayr die Durchwachsene Silphie klar im Vorteil. So sei der Rohstoff leicht verfügbar, die Faser überzeuge mit ihrer Reißfestigkeit und Stabilität. Zudem biete Silphie die Möglichkeit, die Pflanze gleich mehrfach einzusetzen: Die Nutzung in der Papierproduktion werde um das Modul Energiegewinnung in bereits bestehenden Biogasanlagen sinnvoll ergänzt, erklärt Radlmayr. Zudem lassen sich letztlich deren Reststoffe auch als Dünger in der Landwirtschaft verwenden. Radlmayr unterstreicht: „Damit ist die Nutzung der Faser nachhaltig und kann maßgeblich dazu beitragen, die CO2-Emissionen im Produktionsprozess von Verpackungen zu senken.“

Radlmayr sieht die Entwicklung bei Silphie Paper noch nicht ausgereizt. Dabei pflegt das Unternehmen neben der strategischen Partnerschaft mit der Schwarz Gruppe Kooperationen auf dem Packaging Campus mit der Hochschule der Medien, Stuttgart, und dem Technikum Laubholz. Hier hebe das Unternehmen laut Radlmayr Synergiepotenziale in der Entwicklung des Verpackungsdesigns und der Ressourceneffizienz.

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