Die USA haben ein umfassendes Zollpaket beschlossen, das auch die Geschäfte der Papier- und Verpackungsbranche beeinflusst. Am 5. April treten Zölle von 10 % pauschal für alle Länder in Kraft und ab dem 9. April von 20 % für Lieferungen aus der EU.
Die vom US-Präsidenten angekündigten Zölle können die deutsche Wirtschaft massiv schädigen. Nach ersten Berechnungen des ifo Instituts würden die neuen Zölle das BIP in diesem Jahr um 0,3 % reduzieren. „Da Deutschlands Wirtschaft bereits stagniert, ist es möglich, dass die US-Zölle das Wirtschaftswachstum in Deutschland unter die Nulllinie drücken“, sagt ifo-Präsident Clemens Fuest.
Wirtschaftlichen Schaden auf beiden Seiten des Atlantiks erwartet VDMA-Präsident Bertram Kawlath: „Rund 60 % unserer Mitglieder haben in einer Umfrage bestätigt, dass sie sehr stark oder stark von den US-Strafzöllen betroffen sind. Die genauen Auswirkungen auf den Maschinen- und Anlagenbau sind aber derzeit nicht abschätzbar.“ Starfzölle führen zu einer Spirale der Abschottung, heißt es weiter. Denn die EU werde wohl mit Gegenzöllen auf die US-Zölle reagieren.
Die EU, die im Vorfeld auf weitere Verhandlungen mit den USA gesetzt hatte, arbeitet an einer Reaktion auf die US-Zölle, etwaige Gegenmaßnahmen im Zollstreit sollen in Kürze bekannt gegeben werden. Eine Liste möglicher Gegenmaßnahmen wurde bereits Ende März veröffentlicht. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einem „schweren Schlag für die Weltwirtschaft“. Es gelte, die Interessen der Unternehmen zu schützen, falls Verhandlungen scheitern.
Der Verband DIE PAPIERINDUSTRIE steht mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Austausch und hat sich für die Forderungen von Cepi eingesetzt. Der Verband hatte am 3. April seine Mitglieder mit einem umfassenden Schreiben über die Zölle informiert und äußerte sich dazu gegenüber euwid.
Papierfabriken erwarten globale Auswirkungen
Die Zölle werden auch die europäische und deutsche Papierindustrie belasten. Immerhin importiert die EU jährlich rund 900.000 t Zellstoff und 600.000 t Papier und Karton aus den USA, während sie etwa 1,6 Mio t Papier und Karton und 350.000 t Zellstoff in die USA exportiert.
Der US-amerikanische Markt ist ein wichtiger Absatzmarkt für viele europäische Papierhersteller, so auch für die Koehler-Gruppe. Diese äußert sich zur drastischen Verschärfung der Wirtschaftspolitik: „Die bei dem Unternehmen üblichen Lieferbedingungen sehen vor, dass der Importeur anfallende Einfuhrzölle entrichtet. Daher ist damit zu rechnen, dass sich die Papierprodukte des Unternehmens im US-amerikanischen Markt um die Höhe der Einfuhrzölle verteuern werden. Die Koehler-Gruppe kann die Einfuhrzölle nicht kompensieren, diese sind daher vollumfänglich durch den jeweiligen Importeur zu tragen.“
Vertreter der Papierbranche rechnen beim Zollstreit mit globalen Auswirkungen. Europäische Unternehmen mit US-Geschäften seien mitunter gezwungen, neue Absatzkanäle und -regionen zu entwickeln. Und US-Zölle gegen Kanada, China und andere Länder Südostasiens, die exportorientiert seien, könnten zu Verschiebungen im globalen Handel mit Papier und Verpackungen führen. Diese müssten Lieferungen in die USA umleiten und stärker auf andere Exportmärkte ausweichen, etwa nach Europa. So würden auch deutsche und europäische Unternehmen unter Druck gesetzt. Ein erhöhtes Angebot von Papier und Karton würde den Wettbewerb in Europa nochmals intensivieren.
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